1"Der Juchlistock ist zwar [..] auch nicht leicht zu erreichen, für geübte Alpinwanderer gehört er aber unbedingt auf die persönliche Gipfelliste". Diese Beschreibung im SAC-Tourenportal machte mich natürlich neugierig. 990 Höhenmeter ab Räterichsboden (am Grimselpass), Schwierigkeit T6 mit kurzen Kletterstellen bis 3-. Und am Schluss ein abenteurlicher Abstieg, wie ich feststellen musste ...
2Gemächlich geht es über die Staumauer des Räterichsbodensees, dann entlang dem Bächlisbach der Bächlitalhütte SAC entgegen.
3Kurz vor dem Felsknubel P. 2188 zweigt ein Weglein links ab und führt zum Bächlisee. Dort über die Staumauer des kleinen Stausees.
4Dann geht es weglos über Granitplatten, Gras und Geröll stetig ansteigend Richtung Osten. Wenige Steinmänner lassen erkennen, dass ich auf der richtigen Spur bin. Bald erreiche ich das namenlose Seelein bei P. 2294.
5Mit seiner tiefblauen Farbe ist es ein richtiges Juwel. Da ich erst um 8.15 Uhr startete, habe ich schon zünftig geschwitzt.
6Vom Seelein Richtung Süden hoch unter die Ostflanke des Juchlistocks. Rechts im Bild ist ein grasiges Couloir zu erkennen, durch welches der Nordgrat und dann der Gipfel erreicht werden könnte. Diese Aufstiegsvariante ist etwas einfacher (T5-).
7Ich habe mir jedoch die kurze Kletterei vorgenommen - nötigenfalls könnte ich immer noch zurück und das Couloir hoch. Bald zeigt sich ein grosser Steinmann auf dem Gipfel. Links im Bild ist ein Grasband erkennbar, durch welches es hochgeht.
8Dann folge ich für wenige Meter einem kurzen, horizontal verlaufenden Band, das etwas ausgesetzt in die Südflanke führt. In gut gestuftem Gelände - kurze Plattenaufschwünge wechseln sich ab mit kleinen Terrassen - geht es weiter, wobei die Schlüsselstelle mit einer alten Bandschlinge entschärft ist.
9Das Gelände ist nicht sehr ausgesetzt, so dass die seilfreie Kletterei der Psyche nicht allzu viel abverlangt ... Die Kletterstellen sind wirklich nur kurz und 3- ist eine angemessene Bewertung.
10Bald erreiche ich den mächtigen Gipfel-Steinmann.
11Der Blick schweift nach Westen über den Brüngrat zum Brünberg.
12Vis-à-vis über dem Gelmersee thront das Diechterhorn mit dem Diechtergletscher, der vor vier Jahren noch deutlich grösser war.
13Über den Südwestgrat kraxle ich hinunter zur Lücke, wo in die Südflanke Richtung Obrist Juchli abgestiegen werden kann. Unterwegs finde ich Kristalle und - wen wunderts - Strahlerwerkzeug.
14Durch hohes Gras, Erika, Alpenrosen, Blacken und andere Stauden kämpfe ich mich den Hang hinunter. Eintrag im SAC-Tourenportal "[...] durch ruppige Grashänge mit nur noch wenig Geröll hinabsteigen . Im Gras versteckte Löcher und hohe Tritte verlangen vorsichtiges Gehen." Tatsächlich komme ich nur langsam vorwärts, und immer wieder muss ich zwischen Felsbändern einen Durchschlupf finden.
15Bald gelange ich zum wilden Bach, der vom Bächlisee via Stollen unter dem Juchlistock hindurchführt, hier wieder das Licht der Sonne erblickt und sich hinab in den grünen Grimselsee ergiesst. Hätte ich nur den Tourenbeschrieb genauer gelesen: Es wird nämlich empfohlen, genau auf der anderen Seite (östlich) des Baches abzusteigen, die weniger felsdurchsetzt ist. Jä nu, alles hat ein Ende, und irgendwann stehe ich auf dem Wanderweg bei P. 1940, der zum Grimsel Hospiz führt.
16Grimselsee.
17Der kleine, besonnte Knubel rechts der Bildmitte ist der Juchlistock, etwas links davon die V-förmige Lücke im Grat, von wo es hinunter geht zum Bach. Trotz ruppigem Abstieg war es eine wunderschöne und sehr einsame Tour. Und tatsächlich: Gehört auf die persönliche Gipfelliste.